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Universitätsklinikum Essen
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Forschung

AG "Präzisionstherapie in der Anästhesiologie"

Die Arbeitsgruppe, unter der Leitung von PD Dr. Stefanie Klenke, strebt die Implementierung der Präzisionstherapie in der Anästhesiologie an. 

Genomische Entdeckungen, die in vielen anderen medizinischen Bereichen, wie z.B. im kardiovaskulären Bereich oder der Onkologie gemacht und in die klinische Praxis translatiert worden sind, haben die Anästhesie noch nicht erreicht. Allerdings gibt es z.B. mit der bundesweiten Plattform zur medizinischen Genomsequenzierung „genomDE“ gute Hinweise darauf, dass genetische Daten bald a priori bei jedem Patienten zur Verfügung stehen.

Deswegen führen wir Forschungsprojekte mit einem translationalen Ansatz durch, die Daten aus den Genomics, aber auch aus weiteren „Omics“-Disziplinen, wie z.B. den Epigenomics, mit klinischen Parametern kombinieren. Durch Forschung und Erkenntnisgewinn über die immense Komplexität der „Omics“/Phänotyp-Beziehung möchten wir die hier vorhandene Wissenslücke schließen, und für eine Translation in die klinische Anästhesie sorgen. Langfristiges Ziel ist eine verbesserte Patientenversorgung. Die Anästhesie stellt eine einzigartige Möglichkeit für die präoperative Testung von z.B. genetischen Varianten dar. Die präoperativ erzielten Erkenntnisse können dann im Sinne der Präzisionsmedizin zu einer verbesserten perioperativen Betreuung führen, wie zum Beispiel bei der Prophylaxe und Therapie von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV).

Schon Sir William Osler, der Vater der modernen Medizin, hat erkannt: “The good physician treats the disease; the great physician treats the patient who has the disease“.

Etablierung eines neuen genetischen Prognosescores zur verbesserten Prädiktion von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV)

Wir führen eine klinisch-prospektive Beobachtungsstudie durch, mit dem Ziel einen neuen PONV-Prognosescore unter Berücksichtigung von klinischen Faktoren sowie genetischen Varianten zu entwickeln. Neben dem Apfel-Score wurden zwei Single-Nucleotide-Polymorphismen – CHRM3 rs2165870 und KCNB2 rs349358- in unabhängigen Studien mit PONV assoziiert. Durch den prophylaktischen Einsatz von Antiemetika lässt sich die PONV-Inzidenz senken. Die Gabe einer sog. PONV-Prophylaxe orientiert sich bisher am Apfel-Score, womit die Gefahr besteht, dass bei Patienten mit einem hohen genetischen Risiko das PONV-Risiko unterschätzt wird und in einer unzureichenden PONV-Prophylaxe resultiert. Mit Hilfe des neuen genetischen Scores soll es nun möglich werden, eine individualisierte PONV Prophylaxe durchzuführen.

Validierung der Assoziation von weiteren genetischen Varianten mit PONV  

Neben den beiden oben genannten mit PONV assoziierten Varianten rs2165870 CHRM3 und rs349358 KCNB2 wurden noch einige weitere SNPs in hypothesengenerierenden Studien mit PONV assoziiert. Allerdings wird deren Beitrag zur genetischen PONV Prädisposition aufgrund widersprüchlicher Studienergebnisse kontrovers diskutiert und eine Reevaluation der Ergebnisse ist erforderlich. In der oben genannten klinischen Studie soll die Validierung der Assoziation von weiteren SNPs mit PONV, sowie die Untersuchung von deren Einfluss auf Veränderungen/Gewichtungen im Prognose-Score, erfolgen.

Molekulare Charakterisierung von Genen und genetischen Varianten prädisponierend für postoperative Übelkeit und Erbrechen

Es gibt bisher keine Informationen über die funktionelle Relevanz der mit PONV assoziierten SNPs CHRM3 rs2165870 und KCNB2 rs349358. Diese beiden SNPs könnten funktionell relevante, kausale Genvarianten darstellen. Möglich wäre auch, dass diese beiden SNPs keine kausalen Varianten sind, sondern im Kopplungsungleichgewicht mit funktionell relevanten Varianten liegen. Durch eine molekulare Charakterisierung und den Erhalt von funktionellen Daten kann möglicherweise für zukünftige klinische Untersuchungen festgestellt werden, in welchem genetischen Modell die Assoziation der SNPs mit PONV untersucht werden soll. Die molekulare Charakterisierung dieser beiden Varianten bzw. der koppelnden funktionell relevanten Varianten könnte völlig neue Hinweise auf die Krankheitsätiologie von PONV liefern, und im letzten Schritt, auch mögliche neue therapeutische Optionen aufzeigen.

Assoziation von SNPs mit klinischen (Outcome)-Daten

In verschiedenen, zumeist hypothesengenerierenden, Studien untersuchen wir die Assoziation von SNPs mit klinischen Daten. Dies geschieht häufig in Kombination mit einer molekularen Charakterisierung der genetischen Varianten bzw. der Genregionen, in denen diese Varianten lokalisiert sind, z.B. im Promotor. Dabei untersuchen wir häufig Promoter SNPs in Genen der G-Protein gekoppelten Signaltransduktion.

  • Leitung: PD Dr. med. Stefanie Klenke
  • Frau Maike Stegen
  • Frau Grazina Belani
  • Herr Ahmed Mohamed
  • Frau Dr. Andrea Engler
  • Frau Bärbel Hermann 
  • Prof. Dr. Winfried Siffert, Direktor des Instituts für Pharmakogenetik, Universitätsklinikum Essen

  • Prof. Dr. Hagen Bachmann, Direktor Institut für Pharmakologie, Universität Witten-Herdecke

  •  Stiftung Universitätsmedizin Essen

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PD Dr. med. Stefanie Klenke

PD Dr. med. Stefanie Klenke

Erweiterte Klinikleitung, Oberärztin, Bereichsleitung Urologie

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